Rotes Glas

Manchmal, wenn ich die
weiße Wand des Nachbarhauses
durch mein Fenster betrachte
erscheinen darauf deine Konturen.
Ich sehe sie, so deutlich, als
sähe ich dich selbst vor mir stehen.

Doch – wo stehst du?

Deine Konturen können sich
festigen, ausfüllen, zu deinem
Bild werden.
Sie können auch verschwinden,
fortfliegen, zerreißen,
mich trauernd zurücklassen.

Du bist gegangen.
Ich trauere um dich.
Ich trauere um uns.

Die weiße Wand
ist Zeuge meiner Liebe.
Die weiße Wand
erkennt, wie ich dich seh‘.

Wo bist du?

Wie rotes Glas ist ein
Schleier, der meine Augen trübt.
In diesem Schleier
tanzt du.
Ein helles Lachen
klärt den Blick.
Und mit dem Schleier
bist du weit fortgerückt.

Dein Lachen höre ich im Traum.
Doch, war es ein Traum,
die Zeit mit dir?
Bist du selbst ein Traum?

Die Antwort, die ich mir
geben kann, weiß ich nicht.
Die Antwort kannst du mir geben.

Komm zurück!

[20.2.72]

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