Das Lied der Liebe

I
Treueschwüre fallen öfter, als man denkt.
Ihre Bedeutung ist unklar:
Manche scheinen ernst gemeint zu sein.
II
Liebeslieder sind oft genug verkitscht worden.
Sie klingen heute aus jedem Radio;
Liebe drücken sie nicht aus.
III
Freude ist das Glück, das uns heute noch geblieben ist.
IV
Haß ist allgegenwärtig.
Ob nun der Hund die Katze jagt,
oder der Weiße den Schwarzen.
V
Langeweile überfällt uns,
die wir daran gewohnt sind, uns berieseln zu lassen,
wenn im Fernsehen mal nichts ist.
VI
Wir wissen nicht, was wir tun sollen.
Dabei gibt es so viele schöne Dinge.
VII
Die Liebe ist heute nur noch Abbild,
nur noch Folgeerscheinung einer Leistungsgesellschaft.
Ihre Ausübung ist mit dem Anlegen von Maßstäben verbunden,
die Vergleiche mit Anderen zulassen.
So ist die Individualität der Liebe nicht mehr gegeben.
VIII
Hoffentlich erkennen wir, daß es so nicht mehr weitergeht.
Hoffentlich erkennen wir, daß wir unser System ändern müssen,
IX
Lieben wir uns, und wir werden glücklich werden.
Glücklicher, als wir sind.

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