Heimatliebe

Da steht die Linde.
Im Talesgrund. Am Bache.
Verstreut in alle Winde
denk ich an die Heimat – das ich nicht lache.

Warum sollt ich an sie denken ?
Was hat sie mit getan?
Kam sie je, um mit was zu schenken?
Ist Heimatliebe nicht ein Wahn?

Die Heimat gab mir nichts.
Ich hab sie mir nicht ausgesucht.
Ich muß heulen angesichts
der Heimatliebesucht.

Hineingeboren in einen sozialen Bereich,
dessen reaktionäre Struktur zu ändern
eine Aufgabe wäre. Doch dieser Bereich
läßt sich nicht ändern.

So muß ich ohnmächtig zusehen,
wie andere die Heimat pflegen.
Ich lasse es nicht länger geschehen –
Ich geh in den Heimatverein – welch S(ä)egen.

Man freut sich, junges Blut zu sehen,
und unterbindet Reformbemühungen,
man sagt: es darf nichts geschehen,
das stört unsere Beziehungen.

So bleibt alles beim alten – vorläufig.
Nicht lange mehr, dann wird man sehen,
daß das System der Heimatvereine vorsintflutlich
ist. Um das zu ändern, muß etwas geschehen.

[23.10.73]

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