Sommer

das lied des lebens klingt nun laut
auf dieses lied ist unsere hoffnung gebaut
wir singen es und bleiben erhalten
und lauschen den erzählungen unserer alten

I

am anfang war das lied ein wort
ein hirte sprach es an einem verwunschenem ort
da spürte er, wie etwas geschah
und als er zu uns zurückkam, war das lied da
er erzählte es allen und sprach
wenn ihr es nicht singt, bleibt ihr nicht wach
ihr werdet sterben, wenn das lied nicht erklingt
darum ihr menschen singt, singt

das lied
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

nicht alle sangen mit
und die nicht sangen das lied
wurden blaß, schrien auf und starben
wir aber, die sangen, erwarben
uns ein recht auf leben
doch die, die dort eben
gestorben sind
haben sie das leben nicht so wie wir verdient
sie haben das lied nicht gesungen
und ihre lebensmelodie ist verklungen

das lied.
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

II

so erzählen sie die geschichte
und wir erkennen: wir sind nur kleine wichte
die dem lied dienen müssen
wir beklagen die toten und denken an sie
wissen wir doch, daß sie starben, nur nicht wie
das was ist alles, was wir wissen

das lied
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

im sommer aber ist es hier besonders schön
wir singen das lied, damit wir nicht vergehn
es singen auch die pferde auf den weiden
doch was kann ihr gesang uns schon bedeuten
sie singen für sich selbst um ihr leben
und lassen nur die weiden erbeben
und den hirten, der sie bewacht
und ängste aussteht bei tag und nacht

das lied
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

III

und wir lauschen den erzählungen der alten
unsere herzen werden nicht erkalten
wir haben begriffen, was uns leben schenkt
und unsere geschicke lenkt
das lied, das wir singen
wird uns immer leben bringen

und das lied verklingt nicht in unserem tal
wir singen es noch viele tausend mal
wir singen es, denn wir wissen
wir können seinen klang nicht missen
die pferde auf den weiden müssen es singen
ihr gesang bringt die seele des hirten zum klingen

IV

das lied ist unser leben
wir können es nicht fortgeben
wir sterben, wenn wir es verlieren
und müssen elendig erfrieren
darum singen wir dies lied
kommt, singt alle, alle mit

das lied
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

die vögel in den bäumen pfeifen laut
sie haben ihre nester nicht umsonst gebaut
das lied hat ihnen kinder geschenkt
wir sehen, wie es alles leben lenkt

V

und freudigen herzens singen wir wieder
wir kennen keine anderen lieder
wir brauchen sie nicht: dies eine hat uns das leben geschenkt
wir sind sicher, solange es unsere leben lenkt
und haben keine angst vor der Zukunft

das lied
es ist unser leben
singt, singt
und laßt das tal erbeben

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