Herbst

im sinkenden sommer sangen die pferde ihr lied
das endlose streifen nachte sie alle müd‘
fallende blätter künden: der sommer ist verblüht

I

mit wilder macht ergreift der wind
die braunen blätter, die gefallen sind
er nimmt sie und wirbelt sie auf
und reißt sie mit in wildem lauf
die nackten äste der bäume strecken sich
in den grauen himmel. der wind ist frisch
und zerrt an den kleidern der menschen

das laute schreien der letzten vögel
ertönt auf dem hohen, weiten hügel
sie werden uns verlassen
die luft wird bald verblassen
das singen der vögel wird uns fehlen
sie werden uns nichts mehr erzählen
wir sind allein: wir menschen

II

die ehemals freundliche welt wird schwarz
ohne das singen der vögel ist es nicht mehr schön
manche wünsche werden nun im schwarz des himmels vergehn

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

die ehemals freundliche welt wird schwarz
ohne die grünen blätter sind die bäume kahl
die farben des lebens werden nun sehr schnell fahl

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

III

im sinkenden sommer sangen die pferde ihr lied
das endlose streifen machte sie alle müd‘
fallende blätter künden: der sommer ist verblüht

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

die pferde sagen ihr lied
und nahmen es in die ferne mit
wir haben es verloren und werden es nicht finden
und die pfeifenden vögel werden es überall verkünden
sie hatten das lied und gaben es weg

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

die pferde nahmen das lied
und zogen in die ferne und nahmen es mit
sie gaben es uns nicht mehr her
und wir können es nicht mehr
wir haben es verloren

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

IV

und wir haben das lied nicht mehr gefunden
kühl streicht der herbstwind über unsere wunden
wir versuchen den schmerz zu vergessen
und doch, und doch, wir müssen
den kampf meistern, der sich uns entgegenstellt
den kampf mit den bösen geistern dieser welt
der kampf wird alles entscheiden
doch solange noch die pferde weiden
müssen wir um: nicht fürchten

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt

singt das lied zum letzten mal
die pferde haben uns verlassen
die sterne unserer leben verblassen
der kampf ist nicht mehr zu vermeiden
die pferde sind nicht mehr auf den weiden
die bösen geister dieser welt fordern uns auf
und das unheil unseres lebens nimmt seinen lauf

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

V

unser bitten wurde nicht erhört
die feuer unserer leben wurden zerstört
warum haben sie uns das lied genommen
warum sind sie nicht wiedergekommen
wir haben sie gerufen, war es zu spät
wir sind ihnen gefolgt, war es zu spät
das lied ist fort
sie haben es mitgenommen an einen ort
den wir nie erreichen können

das lied
singt es uns nochmal
singt, singt
singt das lied zum letzten mal

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