Winter

I

im sinkenden sommer sangen die pferde ihr lied
das endlose streifen machte sie alle müd‘
mit steifen gliedern versuchten sie
ihre heimstatt zu erreichen
wir können heute noch sehen wie

das trappeln der müden hufe
klingt im winde nach
wir hören noch des hirten rufe
er schlief unten am bach
er konnte die herde nicht mehr
in ihre heimstatt führen
da nahm er sein gewehr

das lied
es klingt in uns nach
so müd ‚ , so müd ‚
wir werden nicht mehr wach

im sinkenden sommer suchten die rehe nach schutz
der tiefe wald brachte ihnen genügend nutz‘
ihr braunes fell wurde bald grau
die augen wurden blaß und stumpf
dann lagen sie im tau

ihr lautes hungerndes schreien
klingt im winde nach
es kann uns nicht erfreuen
die felder liegen brach

das lied
es klingt in uns nach
so müd‘, so müd‘
wir werden nicht mehr wach

II

glauben, verstehen, wissen,
komm und laß dich küssen,
komm, ich glaub wir müssen
nun bald die zeit vermissen,
die wir so lang ersehnt.
das leben ringsum
ist nun ebendrum
nicht schön, nimm es nicht krumm,
komm her und summ‘
ein lied, das uns die welt verschönt.
die blätter fallen leise
und singen ihre weise.
ich sehe eine waise.
ohne sorge geht sie auf die reise
die sie nie an ein ziel bringt.
die schatten der zeit
sind unter uns verstreut.
wir sehen klar und weit
und sind doch ohne kleid,
so daß uns nichts gelingt.

III

im schnee erst sehen wir
wie es um uns steht.
wir erkennen,
wie schnell ein jahr vergeht.
man glaubt gar nicht,
daß man es vermißt.
du wirst erst verstehen,
wenn du gestorben bist.

das lied
es klingt in uns nach
so müd‘, so müd‘
wir werden nicht mehr wach

IV

bebende winde reißen die latten von den zäunen
und zerstören die heimstatt der pferde
in wilder wut brennen nun die Scheunen
und lautlos stampft die herde
den schlafenden hirten nieder.
er dachte nicht an seine brüder
die nun das lied vergessen
von wildem großen fieber besessen
jagen sie ihn uns seine tiere

hinaus in den wald daß er erfriere
die stumpfen augen der rehe sehen
die pferde kommen und gehen
und der hirte singt sein lied
und alle werden müd‘

das lied
es klingt in uns nach
so müd‘, so müd‘
wir werden nicht mehr wach

V

und bald schon deckt der schnee
die blauen korper zu
keiner ahnt mehr nur das weh
das hier erfroren ward
die graue erde ist hart
und nimmt nicht in sich auf
was dort liegt unter tiefem schnee

das lied
es klingt in uns nach
so müd‘, so müd‘
wir werden nicht mehr wach

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