Nahender Winter

Kühle Nächte kündigen den Winter an.
Schon mancher friert jetzt,
und die Öfen gehen an.
Die Vögel sind schon lang im Süden,
wir aber fangen den Tag mit müden,
steifen Knochen an.
Das Wetter schlägt uns auf den Magen,
wir schlagen hoch den Mantelkragen,
wir hoffen, daß das Wetter besser wird.

Der Winter hat mit Riesenschritten,
wir müssen gar nicht lange bitten,
dann ist er schon in unserm Land.
Was nützt uns da schon die dünne Wand
des Neubaus, wenn sie doch nicht dämmt?

Das Haar, vom Sturm zerzaust, wird gekämmt,
und wir gehen in die Stube,
sitzen da wie ein Herzbube,
und warten auf den Winter.

Und er kommt.
Weißverschneite Täler und Berge,
die Menschen darin wie Zwerge,
künden von seinem Dasein.
Wir aber trinken Glühwein.
Wir aber wollen ihn nicht.
Uns gefriert der Atem vorm Gesicht.

Wir warten auf den Frühling,
wenn die Vögel wieder singen,
die Stimmen heller klingen
und die Herzen geöffnet sind.
Wir freuen uns darauf wie ein Kind.

[3.11.74]

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